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Stimmen zum Pflegebudget

 
   

Dr. Peter Pick, Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen

Rolle des Case Managers klären

Welche Erwartungen, Hoffnungen, Bedenken verbinden Sie mit dem Projekt "Persönliches Budget"?

Von personenbezogenen Budgets wird erwartet, dass sie eine flexiblere Inanspruchnahme und Zusammenstellung von Pflegeleistungen ermöglichen, die sich an den individuellen Wünschen der Pflegebedürftigen orientieren. Pate stehen hierbei häufig Modelle aus der Behindertenhilfe oder der Rehabilitation. Die Einführung von Pflegebudgets im Rahmen der Pflegeversicherung werfen bisher jedoch mehr Fragen auf als belastbare Antworten gegeben werden können.

Positiv ist zweifelsohne, dass dem Fallmanagement des Pflegefalls eine größere Bedeutung zukommt. Aus der Praxis wissen wir, dass der individuelle Pflegefall häufig schlecht gemanaged wird. Es fehlt für den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen, an einem Angebot an unabhängiger Unterstützung bei der Bedarfsfeststellung sowie der Organisation und Ausgestaltung des Pflegearrangements. In diesem Kontext gilt es jedoch zu klären, welche Aufgaben dem Case-Manager zufallen. Soll er als Case-Manager den Bedarf an individuellen Pflegeleistungen feststellen oder/und soll er den Nachfrager bei der Zusammenstellung und ggf. der Aushandlung der Pflegearrangements behilflich sein. Bedenken bezogen auf die personenbezogenen Budgets bestehen dahingehend, dass sie gedanklich häufig vom Ansatz des mündigen Bürgers ausgehen, der auf einem deregulierten freien Pflegemarkt seine Leistungen frei einkaufen soll. Diese Kundensouveränität ist in vielen häuslichen Pflegesituationen nicht gegeben. Sie wird auch nicht dadurch erreicht, dass man diesen Haushalten ein höheres Pflegegeld in die Hand gibt und es "Pflegebudget" nennt.

Um die Möglichkeiten und Grenzen der Einführung personenbezogener Budgets zu ergründen, bedarf es Modellvorhaben, die ohne Scheuklappen die Vor- und Nachteile dieser Organisations- und Finanzierungsart erproben.

Welche Rolle spielt Ihrer Ansicht nach ein Persönliches Pflegebudget für die Zukunft der Pflegeversicherung?

Soweit die positiven Wirkungen der personenbezogenen Budgets überwiegen, können sie neben die heutigen ambulanten und stationären Leistungen einschließlich des Pflegegelds treten. Damit könnten sie individuellere Pflegearrangements unter optimaler Abstimmung von informellen und professionellen Hilfen ermöglichen und damit dazu beitragen, die häusliche Pflegesituation nachhaltig zu stabilisieren. Jedoch muss hier ausdrücklich vor überzogenenen Erwartungen an die pesonenbezogenen Budgets gewarnt werden.

Erwarten Sie, dass das Persönliche Pflegebudget flexiblere Betreuungs- und Pflegearrangements schaffen wird?

Pflegedienste und möglicherweise andere Wohlfahrtsdienstleister können durch die personenbezogenen Budgets Anreize erhalten, passgenaue Dienstleistungsarrangements anzubieten. Davon können positive Impulse für die Pflege ausgehen.

Mit welchen Auswirkungen auf den Anbietermarkt rechnen Sie ?

Ein geänderten Nachfrageverhalten von Pflegebedürftigen kann eine Angebotsveränderung bei den Anbietern indizieren. Allerdings ist dabei darauf zu achten, dass nicht "billige" Lösungen vor qualitativ hochwertigen nachgefragt werden. Der Einkauf pflegefachlich nicht ausreichend qualifizierter Anbieter dürfte nicht erwünscht sein. Von daher wird es entscheidend auf die Festlegung und Überprüfung von Qualitätsstandards ankommen. Diese Prozesse zu beschreiben und zu analysieren, sollte eines der wesentlichen Anliegen der Erprobungsphase der Pflegebudgets sein.

 

 

Anke Buhl

Malu Dreyer

Prof. Dr. Peter Löcherbach

Heike von Lützau-Hohlbein

Frieder Neuber

Dr. Peter Pick

Jun.-Prof. Michaela Röber

Prof. Dr. Doris Schaeffer

Paul-Jürgen Schiffer

Horst Schmidbauer

Prof. Dr. Roland Schmidt

Petra Selg

Birgit Thomas und Andreas Büscher