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Stimmen zum Pflegebudget

 
   

Paul-Jürgen Schiffer, Abteilungsleiter Pflege beim Verband der Angestellten Krankenkassen (VdAK) AEV - Arbeiter-Ersatzkassen-Verband

Pflegebudgets brauchen gute Steuerung

Welche Erwartungen, Hoffnungen, Bedenken verbinden Sie mit dem Projekt "Persönliches Budget"?

Mit der Erprobung "Persönlicher Pflegebudgets" soll der pflegebedürftige Mensch darin unterstützt werden, ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Der pflegebedürftige Mensch erhält damit die Möglichkeit, im Rahmen seiner Eigenverantwortung die Auswahl der seiner persönlichen Pflegesituation jeweils entsprechenden individuell erforderlichen Hilfen selbst zu ergänzen bzw. sicherzustellen. Darüber hinaus soll die "Leistungsform" des Persönlichen Budgets soweit wie möglich die stationäre (Heim-)Betreuung vermeiden und damit den Grundsatz ambulant vor stationär besser umzusetzen. Ebenso könnte das "Persönliche Budget" ein mögliches Steuerungsinstrument z. B. für den Ausbau alternativer Wohnformen anstelle stationärer Versorgung sein; dies entspricht ja gerade dem Wunsch vieler älterer und pflegebedürftiger Menschen, ihren Lebensabend - trotz pflegebedingter Einschränkung - im häuslichen Umfeld zu verbringen. Die Erprobung persönlicher Budgets wird sich daran messen lassen müssen, ob und inwieweit die begleitenden Parameter (Sicherstellung der Qualität, Assessment-Verfahren, Case-Management) tatsächlich positive Effekte zeitigen.

Die bisher vorliegenden Erfahrungen mit Persönlichen Budgets aus anderen Sozialleistungsbereichen (SGB X) zeigen, dass die "Persönlichen Budgets" nicht so ohne weiteres auf Akzeptanz stoßen bzw. angenommen werden. Von daher ist sowohl eine gute Steuerung wie aber auch Flexibilität auf allen Seiten erforderlich.

Welche Rolle spielt Ihrer Ansicht nach ein Persönliches Pflegebudget für die Zukunft der Pflegeversicherung?

Neben den bereits in der vorherigen Anfrage gemachten Aussagen in Bezug auf die betroffenen Pflegebedürftigen könnte - neben den zu erhoffenden Verwaltungsvereinfachungen für die Kostenträger und Leistungserbringer - langfristig zumindest eine Stabilität der finanziellen Grundlage der Pflegeversicherung eintreten (z. B. durch Umschichtung zu Gunsten ambulanter häuslicher Pflege anstelle von stationärer Pflege).

Erwarten Sie, dass das Persönliche Pflegebudget flexiblere Betreuungs- und Pflegearrangements schaffen wird?

Genau dies ist ja eine mit dem Modellversuch verfolgte Zielsetzung. Auf die Ergebnisse darf man also gespannt sein! Es wird sich zeigen müssen, ob die in anderen Länder (z. B. Holland, England, Finnland) gemachten -positiven- Erfahrungen auch hierzulande eine effektive Form der Versorgung hervorbringen, die Selbstbestimmung und Selbständigkeit der Pflegebedürftigen erhöhen und die Lebensqualität damit steigern.

Mit welchen Auswirkungen auf den Anbietermarkt rechnen Sie ?

Ob die mit dem Persönlichen Budget einher gehende "Nachfragemacht" tatsächlich zu Angebotsdifferenzierungen, Angebotserweiterungen und Marktveränderungen auf dem Anbietermarkt des Pflegesektors führt bleibt abzuwarten. Auch hierzu erhoffen wir uns durch das Modellprojekt entsprechende Aufschlüsse.

 

 

Anke Buhl

Malu Dreyer

Prof. Dr. Peter Löcherbach

Heike von Lützau-Hohlbein

Frieder Neuber

Dr. Peter Pick

Jun.-Prof. Michaela Röber

Prof. Dr. Doris Schaeffer

Paul-Jürgen Schiffer

Horst Schmidbauer

Prof. Dr. Roland Schmidt

Petra Selg

Birgit Thomas und Andreas Büscher