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Stimmen zum Pflegebudget

 
   

Prof. Dr. Roland Schmidt, Fachhochschule Erfurt

Budgets könnten Trend ins Pflegeheim abschwächen

Welche Erwartungen, Hoffnungen, Bedenken verbinden Sie mit dem Projekt "Persönliches Budget"?

In der deutschen Sozialversicherung haben Budgets als Geldleistung zum Sachleistungseinkauf keine Tradition. Vor diesem Hintergrund kann das Projekt "Persönliches Pflegebudget" erstmals in der Langzeitpflege Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Chancen und welche Risiken mit Budgets verbunden sind. Und: Was geeignete Strategien darstellen können, um evtl. Risken zu minimieren. Bis dato verfügen wir in der Langzeitpflege hierzulande über kein empirisches Wissen zu Budgets. Zentral ist aus meiner Sicht, dass Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen nun überhaupt eine sachliche Grundlage erhalten.

Welche Rolle spielt Ihrer Ansicht nach ein Persönliches Pflegebudget für die Zukunft der Pflegeversicherung?

Kurzfristig: Durch Budgets wird die doppelte Diskriminierung psychisch chronischkranker und geistig behinderter Menschen beendet. Zwar bleibt der Pflegebegriff so wie er ist, aber diese Menschen sind nicht mehr an die Leistungskomplexe in der häuslichen Pflege angewiesen, die ihrem Bedarf nicht optimal entsprechen. Mittel- bis langfristig: Budgets sind Teil einer Ambulantisierungsstrategie. Ist sie erfolgreich, wird der Trend ins Pflegeheim abgeschwächt. Dies ist auch fiskalisch von Bedeutung.

Erwarten Sie, dass das Persönliche Pflegebudget flexiblere Betreuungs- undPflegearrangements schaffen wird?

Entscheidend wird vermutlich sein, ob das Budget verbunden wird mit flankierenden Strukturen, die Betroffene und Angehörige in die Lage versetzen, auf der Basis einer fachlichen (assessmentgestützten) Expertise entscheiden zu können, wie sie ihren Hilfemix organisieren wollen. Das Budget solo wird eher sozial selektiv wirken, ein durch Case Management flankiertes wird die Schwelle eher minimieren, die mit der Übernahme der Budgetregie für Familien verbunden ist. Also: Es kommt auf die Ausgestaltung an, welche Breitenwirkung potentiell erzielt werden kann. Daher ist das vorliegende Experiment so interessant, weil hier die Elemente "Budget" und "Case Management" kombiniert werden.

Mit welchen Auswirkungen auf den Anbietermarkt rechnen Sie?

Budgets verstärken den Wettbewerb auf der Ebene "Versicherter - Leistungserbringer". Quasi-Markt-Steuerungen werden forciert. Ambulante Dienste haben - beginnend mit dem Projekt, noch verstärkt dann, wenn Budgets im Leistungsrecht allgemein zur Option stehen - nun stärker auf die Nachfrage zu achten. Wir werden in der ambulanten Praxis ein Segment erhalten, in dem - wie bislang - das Pflegevertragsrecht dominiert, und ein durch Budgets bestimmtes zweites Segment, in dem der Pflegehaushalt in seiner Nachfrage-Position gestärkt ist. Dienste müssen daher ihre Leistungen diversifizieren, wollen sie für Budgetnehmer interessante Anbieter sein.

 

 

Anke Buhl

Malu Dreyer

Prof. Dr. Peter Löcherbach

Heike von Lützau-Hohlbein

Frieder Neuber

Dr. Peter Pick

Jun.-Prof. Michaela Röber

Prof. Dr. Doris Schaeffer

Paul-Jürgen Schiffer

Horst Schmidbauer

Prof. Dr. Roland Schmidt

Petra Selg

Birgit Thomas und Andreas Büscher